„Mein Vorwärtsdrang ist sehr ausgeprägt“
Lesen Sie nachfolgend das Interview mit Tanja Frieden:
MyWay:
Was fällt ihnen spontan zu „MyWay“. ein?
Tanja Frieden:
Ich denke, das ist eine Aussage, die für jeden verschieden ist. Für mich bedeutet es, herauszufinden, welches meine richtigen Ziele im Leben sind.
MyWay:
Sie waren für die Serie „Sport erlebt“ mit Bernhard Russi unterwegs und haben verschiedene Outdoor-Sportarten ausprobiert. Für welche Sportart konnten Sie sich am meisten begeistern?
Tanja Frieden:
Natürlich stehen für mich alle Wintersportarten im Zentrum. Da ich aber schon immer sehr vielseitig trainiert habe, kenne ich aber viele verschiedene Sportarten. Gleitschirmfliegen hingegen war für mich komplett neu. Ich gehe gerne in neue Situationen und suche die Herausforderung. Was mir jedoch nicht so liegt, ist das Reiten, denn ein Pferd ist ein Lebewesen und nicht ein Sportgerät, das sich einfach lenken lässt. Ich muss zugeben davor hatte ich grossen Respekt.

MyWay:
Bernhard Russi sagte nach seinem Sturz beim Downhill-Biken, dass es für ihn schwierig sei zu lernen, dass es beim Sport nicht immer nur um die Challenge geht. Können Sie Sport betreiben ohne immer die Schnellste oder Beste sein zu müssen?
Tanja Frieden:
Ja, das kann ich. Ich bin aber schon immer gerne bei den Vorderen (lacht). Wenn ich neue Sportarten erlerne, habe ich auch den Ehrgeiz, diese möglichst schnell zu beherrschen. Dieser Drang ist tief in mir drinnen.
MyWay:
Sie können auf eine 15-jährige Karriere als Profi-Snowboarderin zurückblicken. Welches waren Ihre schönsten Momente?
Tanja Frieden:
Natürlich war für mich der Goldmedaillengewinn im Boardercross bei der Winterolympiade 2006 in Turin das absolute Highlight. Das war der glänzendste Moment meiner Karriere. Ein schwerer Schlag dagegen war dann meine Achillessehnenverletzung eine Woche vor der Winterolympiade 2010 in Vancouver, an der ich als Titelverteidigerin antreten wollte. Wenn ich aber auf meine Karriere zurückblicke, überwiegt der Blumenstrauss von schönen Erlebnissen ganz klar.
MyWay:
Wie ist das an einer Olympiade, kann man sich zwischendurch dem ganzen Trubel hingeben
oder konzentriert man sich ausschliesslich auf den Wettkampf?
Tanja Frieden:
Bis zu meinem Rennen war ich komplett in meinem Film, da gab es nur mich und das Brett. Aber am Rande habe ich schon auch die Freude und die Einmaligkeit des Anlasses mitbekommen. Es ist aber schon wichtig, dass man sich auf den Wettkampf konzentrieren kann und sich nicht ablenken lässt, denn man ist ja als Sportler da und nicht als Tourist.
MyWay:
Sind Sie schon mal an Ihre Grenzen gestossen?
Tanja Frieden:
Im Sport werden einem die Grenzen immer wieder knallhart aufgezeigt. Es gibt nichts Ehrlicheres als den Berg. Als Sportlerin kann man nicht wegschauen, man muss sich den Herausforderungen stellen, lernen, an die Grenzen heranzugehen. Man sollte auch Respekt davor haben, Angst jedoch ist nicht gut. Wenn man Angst hat, überschreitet man seine Grenzen. Mit Erfahrung und Training lernt man, den Unterschied zwischen Angst und Respekt kennenzulernen. Dazu gehört auch ganz viel Kopfarbeit.
MyWay:
Wie sieht ein normaler Tag im Leben von Tanja Frieden aus?
Tanja Frieden:
Es gibt keinen typischen Tag in meinem Leben. Da ich immer noch in verschiedene Projekte involviert bin, ist jeder Tag anders.Früher gab es regelmässige Trainingstage, doch momentan gibt es keine Konstante. Ein idealer Tag beginnt für mich um 9 Uhr mit etwas Sport, am Nachmittag Business und am Abend zum Abschluss ein Barbecue mit Freunden. Da ich oft unterwegs bin, bleibt vieles liegen und wenn ich dann mal zuhause bin, muss zuerst der Papierkram erledigt werden.
MyWay
Sie haben die Ausbildung zum Neurocoach abgeschlossen. Was muss man sich darunter genau vorstellen?
Tanja Frieden:
Neurocoaching ist ein umfassendes mentales Training, das ich selber seit einigen Jahren praktiziere und das die Leistungsbereitschaft verbessert. Ein Teil davon basiert auf der Entwicklung der NASA und ist sowohl im Spitzensport, wie auch im Business Bereich einsetzbar. Ich habe schon verschiedene solche Trainings ausprobiert, denn ich habe festgestellt, dass die mentale Einstellung entscheidend für den Spitzensport ist. Und je grösser der Leistungsdruck, desto wichtiger die mentale Stärke.
MyWay:
Was machen Sie um auszuspannen?
Tanja Frieden:
Für mich bedeutet ausspannen, Zeit für mich zu nehmen, auf eine Wiese liegen und in den Himmel schauen oder an den See gehen. Ich mache auch gerne Wellness, doch länger als ein paar Tage halte ich es dann nicht aus und muss wieder aktiv werden. Auch wenn ich Ferien am Meer mache, kann ich nicht einfach am Strand liegen, sondern muss auf ein Brett steigen und über die Wellen gleiten. Ich surfe seit meinem 16. Lebensjahr und doch ist Surfen für mich der schwierigste Sport überhaupt, da sich das Element unter einem ständig bewegt und jede Welle anders ist.
MyWay:
Was bedeutet für Sie „immer weiterkommen“?
Tanja Frieden:
Ich habe einen sehr starken Vorwärtsdrang tief in mir drin. Dieser geht so weit, dass ich mich zwischendurch richtig zwingen muss, um einmal inne zu halten. Ich nehme mir dann ganz bewusst eine Auszeit, denn man muss aufpassen, dass man mit dem ständigen Drang vorwärts zu kommen, sich am Ende nicht im Kreise dreht. Deshalb war ich kürzlich vier Tage für ein Neurocoach-Training auf einer Alp ohne Kontakt zur Aussenwelt, um mich richtig abzukapseln.
MyWay:
Welches ist ihr persönlicher Treibstoff?
Tanja Frieden:
Bewegung ist mein grosser Treibstoff. Aber ich achte auch auf eine gesunde Ernährung. Ich mag leichte Kost wie Reis und Gemüse oder asiatische Gerichte. Schliesslich tankt ja ein Formel 1-Wagen auch nicht schlechtes Benzin...(lacht)
MyWay:
Mit welchem Fortbewegungsmittel kommen Sie am liebsten von A nach B?
Tanja Frieden:
Eigentlich gibt es drei wichtige Fortbewegungsmittel für mich. Da ist natürlich das Velo mit dem ich mich gerne fortbewege, weil ich aktiv sein und gleichzeitig die Umgebung wahrnehmen kann. Aber auch das Auto ist wichtig für meinen Lebensstil, da ich immer viel Plunder dabei habe. Ich mag deshalb auch grosse Autos, damit ich genügend Stauraum für meine Sportgeräte habe. Den Zug nehme ich, wenn ich noch gleichzeitig was anderes machen möchte, wie zum Beispiel essen oder schlafen.
MyWay:
Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Tanja Frieden:
Ich bin nicht jemand, der gerne so weit vorausschauen möchte, denn damit nimmt man dem Leben auch vieles vorweg. Momentan geniesse ich es einfach ziellos zu sein. Denn die letzten 15 Jahre wurden stets von klar messbaren Resultaten bestimmt, was auch ermüdend sein kann. Ich lasse nun gerne alles ein bisschen auf mich zukommen. Zudem habe ich bei den Dreharbeiten zur Sendung „Sport erlebt“ gemerkt, dass mich Fernsehen interessiert und ich mir durchaus vorstellen könnte, wieder einmal etwas Ähnliches zu machen. Aber ich möchte sicher auch das Neurocoaching weiterverfolgen. Leute für etwas zu motivieren und zu begeistern, sei es durch eine TV-Sendung oder durch mentales Training, das ist mein Ding und das macht mir Spass. Wo ich in fünf Jahren bin, das kann ich noch nicht sagen, ich lass mich überraschen.



